" />
29.09.2017

"Von den besten lernen"

Vom 2. bis 8. Oktober findet in Montreal die Turn-WM 2017 statt. Österreichs WM-Aufgebot mit Jasmin Mader (T), Marlies Männersdorfer (V), Vinzenz Höck (St), Michael Fussenegger (V), Severin Kranzlmüller (OÖ) und Alexander Benda (St) ist bereits zur Akklimatisierung in Kanada eingetroffen. Die besten Platzierungen sind von Vinzenz Höck und Michael Fussenegger an den Ringen zu erwarten. Severin Kranzlmüller möchte ein weltweit neues Element präsentieren.

Die größten internationalen Zukunftshoffnungen des österreichischen Kunstturnens ruhen zurzeit auf Vinzenz Höck. Der Ex-Ringe-Junioren-Europameister (2014) ist nun – nach mehreren unglücklichen Verletzungs- und Krankheitsproblemen, die ihn über ein Jahr lang deutlich zurück geworfen hatten – am besten Weg, sich in der internationalen Spitze zu etablieren. Sein konkretes WM-Ziel lautet – wie schon zu Jahresbeginn formuliert – Top 24.

Erst 21-jährig setzt sich der im ÖFT-Bundesstützpunkt Innsbruck trainierende Grazer Höck bei der WM allerdings ein zusätzliches Perspektivziel: „Ich möchte von den allerbesten Ringeturnern lernen und mit ihnen den persönlichen Kontakt herstellen. Damit ich mir in Zukunft direkt Tipps holen und noch gezielter trainieren kann.“ Alle Ringe-Weltmeister und Olympiasieger der letzten 20 Jahre waren bei ihrem ersten Titelgewinn deutlich älter, mussten sich – so wie Höck es jetzt tut – zuvor erst hoch arbeiten.

 

Vier weitere der ÖFT-WM-Turnerinnen und Turner nennen ebenso konkrete Ziele: Michael Fussenegger möchte an den Ringen unter die besten 20. Severin Kranzlmüller strebt einen persönlichen Punkterekord an. Dazu möchte er mit der noch nie gezeigten Übungskombination „Endo-Rolle in den Japaner-Handstand“ am Boden als Erfinder namentlich in die internationalen Wertungsvorschriften eingehen. Jasmin Mader und Marlies Männersdorfer wollen ihre persönlichen Rekordwerte über 50 Mehrkampfpunkte heben.

12 Titel-Entscheidungen, Standortbestimmung für Olympia 2020.

 

Um ein österreichisches WM-Ticket zu erhalten, musste ein nationales vom ÖFT festgesetztes Punktelimit erreicht werden. Das Sextett, das es geschafft hat, trifft in der Olympia-Arena von 1976 auf eine insgesamt rund 450-köpfige Konkurrenz aus 72 Ländern. Allgemein gilt diese erste Weltmeisterschaft des neuen Olympiazyklus vor allem als wichtige Standortbestimmung im Hinblick auf die Entwicklungstendenzen der olympischen Kernsportart Turnen bis zu den Spielen in Tokio 2020.

 

Am Programm der WM in Montreal stehen zwölf Einzelbewerb-Titelentscheidungen: Der Mehrkampf der Männer (5.10.) und der Frauen (6.10.), danach (7.10. und 8.10.) die vier Gerätefinale der Frauen (Sprung, Stufenbarren, Schwebebalken, Boden) und die sechs der Männer (Boden, Pauschenpferd, Ringe, Sprung, Barren, Reck). In den Qualifikations-Wettkämpfen vom 2. bis zum 4. Oktober kann man sich für diese Entscheidungen (Mehrkampf Top 24, Einzelgeräte jeweils Top 8) qualifizieren.

 

Den ausgelosten rot-weiß-roten Auftakt machen Österreichs Männer am kommenden Dienstag, 3. Oktober 2017 von 10 bis 12 Uhr Ortszeit (16 bis 19 Uhr österreichischer Zeit). Die Frauen folgen am Mittwoch, 4. Oktober, von 13:30 bis 15:30 Uhr Ortszeit (19:30 bis 21:30 Uhr MESZ). Ihre jeweiligen persönlichen WM-Chancen schätzen die Aktiven und ÖFT-Verantwortlichen wie folgt ein:

 

Jasmin Mader (24, Start im Mehrkampf): „Ich fühle mich gut und bin schon gespannt, was uns in Montreal erwartet. Ein realistisches Ziel für mich ist, die 50-Punkte-Marke zum ersten Mal im neuen Code de Pointage (nach Olympia 2016 überarbeitete/verschärfte internationale Wertungsvorschriften, Anm.) zu knacken. Dazu führen vier kleinere Ziele. Nämlich jedes der vier Geräte ohne gröbere Fehler zu absolvieren.“

 

Marlies Männersdorfer (20, Start im Mehrkampf): „Ich fliege mit einer sehr positiven Einstellung nach Kanada. In den letzten Wochen habe ich mehrere wesentliche Fortschritte erzielt und fühle mich ausgezeichnet in Form. Mein WM-Ziel ist es, einen fehlerfreien Wettkampf zu absolvieren und endlich 50 Punkte oder mehr zu erreichen. Das wäre ein schöner persönlicher Erfolg.“

 

Vinzenz Höck (21, Start an den Ringen): „Ich möchte bei der WM meine beste Leistung abrufen und eine noch bessere Übung als bei meiner Weltcup-Silbermedaille zu Monatsbeginn in Varna zeigen. Damit sollten die Top 24 realistisch möglich sein, die ich mir schon zu Jahresbeginn als Ziel gesetzt habe. Abseits des Wettkampfes möchte ich vor allem möglichst viel Erfahrung sammeln und einen persönlichen Kontakt mit den allerbesten Ringeturnern herstellen. Damit ich mir in Zukunft direkt Tipps von ihnen holen und dann noch gezielter trainieren kann.“

 

Michael Fussenegger (24, Start an den Ringen): „Ich möchte meine schwierige Kür mit 6.2 Ausgangswert perfekt zeigen – und mich damit unter den Top 20 platzieren.“

 

Severin Kranzlmüller (22, Start im Mehrkampf): „Ich freue mich, nach zweijährigem Verletzungspech endlich wieder auf der großen Bühne zu zeigen, was ich kann. Mein größtes Ziel ist es, dass ich das von mir kreierte Element ‚Endo-Rolle zum Japaner-Handstand‘ schaffe, damit mein Name in den Wertungsvorschriften verewigt wird. Weiters möchte ich natürlich wie bei meiner ersten WM 2014 wieder einen fehlerfreien Auftritt abliefern und meinen Punkterekord überbieten. Die Top 50-60 sind realistisch, kein zu hoch gestecktes Ziel.“

 

Alexander Benda (20, Start am Boden, Barren und Reck): „Da ich vor meinem WM-Debüt stehe, kann ich meine Platzierungs-Chancen noch nicht konkret einschätzen. Ich möchte fehlerfreie Übungen zeigen, meine jetzigen Schwierigkeits-Elemente sauber turnen um danach neue und noch schwerere Elemente in Angriff nehmen. Und ich hoffe ich vor allem auf viele Zuschauern, um die Stimmung in der Halle genießen und mich von ihr tragen lassen zu können.“

 

ÖFT-Turner-Sportdirektor Dieter Egermann: „Ich wünsche mir und unseren Turnen lauter fehlerfrei durchgeturnte WM-Übungen. Das haben sie sich verdient. Montreal wird die erste Weltmeisterschaft mit den überarbeiteten neuen Wertungsregeln. Wir arbeiten hart, doch wir werden – wie alle anderen auch – erst nachher wissen, wo wir genau stehen. Das gilt es dann zu analysieren und daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen.“

ÖFT-Turnerinnen-Sportdirektorin Eva Pöttschacher und Nationaltrainer Dirk van Meldert: „Jasmin Mader und Marlies Männersdorfer haben in Montreal bei einer optimalen Vorstellung die Chance auf Platzierungen in der Mitte des Feldes. Diese Einzel-WM 2017 ist für alle Länder eine Standortbestimmung im Hinblick auf die Team-WM 2018 und danach. Nach den starken österreichischen Leistungen im letzten Olympiazyklus ist unser wichtigstes Hauptziel, mit einigen erfahrenen und den nachstoßenden jüngeren Turnerinnen wieder ein schlagkräftiges Team ab 2018 zu bilden. Wenn Jasmin und Marlies ihre Schwierigkeitswerte weiter erhöhen, sollten sie gemeinsam mit Elisa Hämmerle den Kern unseres Nationalteams 2018 bilden können.“


Aktuell im vsport liveticker