29.05.2017

„Olympia-Ehren“ für das Mösle

Nafissatou Thiam aus Belgien war der Superstar des 43. Mösle-Meetings in Götzis. Die Olympiasiegerin bestritt im Siebenkampf mit 7013 Punkten den drittbesten Zehnkampf aller Zeiten. Auch bei den Herren siegte mit Damian Warner der Favorit mit tollen 8691 Punkten.

Das Götzner Möslestadion wurde von Nafissatou Thiam aus Belgien quasi mit olympischen Ehren bedacht. Denn die Olympiasiegerin von Rio war die erste Siebenkämpferin, die im Mehrkampfmekka die 7000-Punkte-Marke übertraf. Vor dem abschließenden 800-Meter-Lauf sperrten die Veranstalter alle Kantinen im Möslestadion, um der sympathischen Belgierin möglichst lautstarke Unterstützung zukommen zu lassen. Mit Erfolg! Thiam lief die 800 Meter in 2:15,24 Minuten und übertraf so die 7000er Marke. Mit ihrer Leistung von 7013 Punkten hat die Olympiasiegerin die drittbeste Siebenkampfleistung in der Geschichte erbracht. Nur Jackie Joyner-Kersee und Carolina Klüft waren je einmal besser als die Belgierin. Der Dreikampf zwischen Thiam, Katerina Johnson-Thompson und der Deutschen Caroline Schäfer begeisterte auch am zweiten Tag die Tausenden Fans in Götzis. So hat Schäfer – die am Ende Zweite wurde - etwa im Weitsprung nach zwei Fehlversuchen eine neue persönliche Bestleistung mit 6,57 in die Grube stellte. Das gelang beinahe der Steirerin Karin Strametz, nachdem sie zwei Mal die rote Flagge gezeigt bekam, sprang sie mit 6,11 Meter bis auf vier Zentimeter an ihre Bestleitung heran. Johnson-Thompson fiel dann erst im Speerwurf zurück und musste am Ende Laura Ikauniece-Amidina im Kampf um Platz drei den Vortritt lassen. „Ich habe nicht geglaubt, so früh schon in so einer guten Form zu sein“, meinte die überglückliche Nafissatou Thiam nach ihrem ersten Erfolg in Götzis, „ich bin glücklich dem phantastischen Publikum in Götzis so eine Vorstellung geliefert zu haben.“ 

Zufrieden durften am Ende der beiden Wettkampftage auch die drei Österreicherinnen sein. Ivona Dadic (Oberösterreich) klassierte sich mit 6143 Punkten auf dem 14. Platz, Sarah Lagger (Kärnten) erreichte mit 6012 Punkten eine neue persönliche Bestleistung , die zugleich auch ÖLBV-Juniorenrekord bedeutete und landete auf Rang 19, auch Karin Strametz (Steiermark) erzielte mit 5840 einen persönlichen Punkterekord und klassierte sich an der 23. Stelle.

Der männliche Superstar in Götzis war zweifelsfrei Damian Warner, der gleich zu Beginn mit Siegen über 100 Meter und im Weitsprung seine Anwartschaft auf seinen dritten Mösle-Sieg anmeldete. Auch den zweiten Tag startete der Kanadier über 110 Meter Hürden mit einem Sieg in 13,54 Sekunden und der Einstellung des Meeting-Rekordes. „Noch war nicht alles ganz gut, aber wenn man in Götzis gewinnt, darf man nicht unzufrieden sein“, meinte der Kanadier nach dem abschließenden 1500-Meter-Lauf. In dem aber der Franzose Gael Querin Warner die Show gestohlen hat. Mit 4:08,90 Minuten stellte er einen neuen überragenden Meetingrekord auf. Damit bestätigte der Franzose die neue „ausgesprochen schnelle Bahn“, auf der eine Unzahl von neuen persönlichen Bestleistungen erzielt wurde. Hinter Warner landete der Holländer Eelco Sintnicolaas mit seinem gewohnt starken zweiten Tag auf dem zweiten Platz, der beständige Deutsche Rico Freimuth landete als Dritter auf dem Podest. Das Highlight bei den Herren war – wie schon so oft – der Stabhochsprung, den der Spanier Pau Tonnesen mit unglaublichen 5,40 m für sich entschied. Sintnicolas übersprang ebenfalls die 5.40 m, der Este Maciel Uibo hatte bei seinem Versuch über 5,30 riesiges Pech. Sein Stab brach, er fiel zurück auf den Boden und musste nach dem Stabhochspringen den Bewerb verletzt beenden. 

Noch nicht in Bestform zeigte sich der Niederösterreicher Dominik Distelberger, zu unterschiedlich waren die Leistungen von Österreichs Zehnkampfaushängeschild in den zehn Bewerben. Aber Distelberger bewies mit 8046 Punkten und Platz 13, dass mit ihm in den folgenden Wettkämpfen durchaus zu rechnen ist. 

Bei der Siegerehrung gab es eine Extraauszeichnung für „Urgestein“ Hans Aberer, der seit den Anfängen vor 43 Jahren aktiv in die Organisation des Meetings eingebunden ist. Wie überhaupt das OK erfahrene Mitarbeiter und auf 400 freiwillige Helfer zählen kann, die Götzis jenen Rahmen verleihen, weswegen die weltbesten Mehrkämpfer jährlich ins Möslestadion kommen.