21.04.2021

ÖHB-Damen nach 12 Jahren
wieder bei der Weltmeisterschaft

Das Warten hat ein Ende! Österreichs Handball Frauen Nationalteam nutzt die Chance als Underdog gegen Polen, gewinnt das Rückspiel nach dem 29:29 in der Südstadt, mit 29:26 und fährt damit zur WM 2021 nach Spanien. Es ist die erste Teilnahme bei einem Großereignis seit zwölf Jahren, seit der WM 2009 in China und in Hinblick auf die Heim EURO 2024 ein bedeutender Schritt.

„Wir haben uns vorgenommen Berge zu versetzen und das haben wir getan“, drückte Teamchef Herbert Müller die Gefühlslage seiner gesamten Mannschaft nach diesem packenden WM Play-off aus.

Der Schlüssel zum Erfolg? Herbert Müller: „Die Abwehrleistung war in beiden Spielen grandios. Mit unserer kompakten Deckung haben wir Polen immer wieder ins Zeitspiel getrieben und dafür gesorgt, dass sie keine Sicherheit in ihren Angriffsspiel bekommen. Das hat uns selbst Sicherheit gegeben, auch im Angriff. Das war eine absolute Teamleistung.“

War Sonja Frey nach dem Hinspiel noch auf sich selbst aufgrund ihrer eigenen Leistung „angefressen“, so ließ ihrer Wut im Rückspiel freien Lauf. Sieben Tore allein in den ersten 25 Minuten sprechen Bände, in Summe war sie mit zehn Treffern beste Werferin. Neben Frey, Kovacs und Kapitänin Blazek, zeigten erneut die jungen Spielerinnen rund um Katarina Pandza, Johanna Reichert und Nina Neidhart auf.

Und das gegen Polen, den WM-Vierten von 2013 und 2015. Die Favoritenrolle war im Vorfeld klar verteilt, doch im Vergleich zu den vergangenen Jahren, als man mit Rumänien und Ungarn jeweils gegen Medaillenkandidaten ran musste, sah man gegen Polen eine Chance. Und diese nutzte man.

Schon im Heimspiel vergangenen Freitag lieferte man eine starke Leistung ab, stellte Polen vor gehörig Probleme und brachte den Favoriten an den Rand einer Niederlage. Das 29:29 öffnete dem Team von Head Coach Herbert Müller jedenfalls alle Möglichkeiten.

Die Chancen wusste man auch für sich zu nutzen. Neuerlich agierte man aus einer starken Deckung heraus, zwang Polen zu Fehlern und zu Würfen aus unangenehmen Positionen. Petra Blazek war über die gesamten 60 Minuten präsent, zog dem Team rund um Weltklassespielerin Karolina Kudlacz-Gloc den Nerv. Österreich geriet nicht ein einziges Mal in Rückstand, setzte sich in der ersten Halbzeit sogar zwischenzeitlich mit fünf Toren ab und lag zur Pause mit 15:11 voran.

Ein 3:0-Lauf der Gastgeberinnen nach Seitenwechsel brachte diese wieder auf ein Tor heran. In der 36. Minute fiel schließlich der Ausgleich zum 16:16. Doch die Österreicherinnen bewiesen Nervenstärke, legten selbst einen 3:0-Lauf hin und untermauerten in jeder Aktion ihren Willen, das WM-Ticket zu lösen.

Speziell in der Schlussphase, als Polen neuerlich den Ausgleich erzielte. Immer wieder setzte sich Sonja Frey in Szene, übernahm Verantwortung, ging voran und das mit Erfolg. Sie sorgte mit ihren Treffern und ihren Pässen dafür, dass es nach 56:32 Minuten 27:24 für Österreich stand.

Kapitänin Petra Blazek war ebenfalls mehrfach zur Stelle, die Vorentscheidung damit gefallen. Österreich besiegt Polen im Rückspiel 29:26 und beendet damit eine zwölfjährige Durststrecke.

Teamchef Herbert Müller: „Wir wussten, dass wir in der Lage sind diese Spiele zu gewinnen. Nach dem Hinspiel hatten wir das Gefühl, dass wir speziell im Angriff noch Luft nach oben haben. Bei Polen hatte ich das Gefühl, dass sie bereits am Limit waren. Es war unglaublich wie sich die jungen Spielerinnen eingebracht haben. Ich bin so stolz. Wir haben die letzten Tage so fleißig gearbeitet, haben alles dafür getan um hier als Sieger vom Platz zu gehen. Dieser Erfolg ist nicht selbstverständlich. Wir haben keine Sekunde locker gelassen, auch nicht als Polen nach der Pause den Ausgleich erzielen konnte. Wir hatten die Nerven und die Stärke nachzulegen und nochmals wegzuziehen. Das war ein hochverdienter Sieg und das Team fährt zurecht zur WM. Wir freuen uns riesig.

Sportdirektor Patrick Fölser: „Wir brauchen nicht viel reden – nach zwölf Jahren wieder zu einer WM zu fahren, damit wird ein Traum wahr. Das Team hat immer an diesen Erfolg geglaubt und hat verdient die Quali geschafft. Es ist eine riesige Erleichterung, speziell den arrivierten Spielerinnen ist eine große Last von den Schultern gefallen. Das waren zwei richtig gute Spiele.“
WM Play-off

Österreich vs. Polen 29:29 (13:13)
Fr., 16. April 2021, 18:00 Uhr, Südstadt
Werferinnen Österreich: Nina Neidhart (8), Katarina Pandza (5), Sonja Frey (5), Claudia Wess (4), Johanna Reichert (3), Josefine Huber (2), Patricia Kovacs (1), Klara Schlegel (1)

Polen vs. Österreich 26:29 (11:15)
Di., 20. April 2021, 17:50 Uhr, Marki (POL)
Werferinnen Österreich: Sonja Frey (10), Patricia Kovacs (6), Katarina Pandza (4), Johanna Reichert (4), Nina Neidhart (3), Claudia Wess (1), Josfine Huber (1)
25th Women´s IHF Handball World Championship

2. - 19. Dezember 2021, Spanien

Gesetzt: Niederlande (Titelverteidiger), Spanien (Ausrichter), Norwegen (1. Platz EURO 2020), Frankreich (2. Platz EURO 2020), Kroatien (3. Platz EURO 2020), Dänemark (4. Platz EURO 2020)

Erste Weltmeisterschaft der Frauen mit 32 Nationen