27.10.2017

Saison-Opening mit stark verjüngtem Team

«Wir stehen am Beginn einer Aufbausaison», sagt Iwan J. Ackermann, Präsident des Bobverband Liechtenstein. Mit einem jungen, ambitionierten Kader lanciert der Verband einen sportlichen Neuanfang. Fernziele der Liechtensteiner Bobsportler sind die Olympischen Jugendspiele 2020 in Lausanne sowie die Olympischen Winterspiele 2022 in Peking. 

Vaduz, 26. Oktober 2017 – Mit einem traditionellen «Saison Opening» abseits des Eiskanals ist der Bobverband (heute) Donnerstagabend in Vaduz in die neue Saison gestartet. In den Räumlichkeiten seines langjährigen Sponsors Factum AG informierten die Verbandsverantwortlichen Mitglieder, Sponsoren, Gönner und Medien über die bereits erfolgten Saisonvorbereitungen, zeigten Ziele – nicht nur für die beginnende Saison sondern auch mittel- und langfristig – auf und stellten das aktuelle, sehr junge Kader vor.

Stark verjüngtes Kader

Während der Sommermonate hat sich beim Bobverband einiges getan. Unter anderem wurde das Kader gezwungenermassen stark verjüngt. Aufgrund von Berufsausbildung, Studium um Militärdienst hat der Verband im Frühling gleich drei hoffnungsvolle Athleten «verloren». «Die Zweierbobpiloten Giuliano Meyer und Samuel Elkuch sowie Anschieber Ozan Bektas sind nach der vergangenen Saison aus Zeitmangel vom Leistungssport zurückgetreten», erklärt Sportchef Srecko Kranz, der sich Ende der letzten Saison mit der Herausforderung konfrontiert gesehen hat, ein neues Kader zu bilden. «Glücklicherweise konnten wir bei der Monobobschulung im Februar in Igls bereits Talente sichten und für den Bobsport gewinnen», sagt Kranz. Diese Schulung unter der Leitung des deutschen Doppelolympiasiegers Wolfgang Hoppe war vor allem bei sehr jungen Athleten gut angekommen. Was den Sportchef speziell freut: Im Frühling konnte der Bobverband Liechtenstein ein Jugendkader formieren. Diesem gehören derzeit vier Athleten zwischen 14 und 18 Jahren an: Simone Zanghellini, Katharina Eigenmann, Martin Kranz und Quentin Sanzo. Letztgenannter ist seit über einem Jahr beim Verband und war im vergangenen Winter bereits im Monobob unterwegs.

Mit der Vorbereitung auf die Saison 2017/18 haben die vier Herren und zwei Damen im Kader des Bobverband Liechtenstein Ende April begonnen. Seither absolvierten die jungen Athleten wöchentlich sechs Trainingseinheiten in den Bereichen Kraft, Sprint, Sprung, Rumpf und Anschieben (auf der im Juni eröffneten Anschubbahn in Schaan). Zudem nahmen sie an sieben dreitägigen Trainingslagern (jeweils Freitag bis Sonntag) in Liechtenstein teil. «Ich bin überzeugt, das Anschubtraining in Schaan sowie das Leichtathletik-Training mit Norman Dannhauer, einem früheren Juniorenweltmeister, hat einiges gebracht», gibt sich Sportchef Srecko Kranz zuversichtlich. Physisch sind Liechtensteins Bobathleten bereit für den Einsatz im Eiskanal: «Die körperlichen Fortschritte sind augenscheinlich, es ist erfreulich, wie unsere jungen Athleten an Körperspannung zugelegt haben», sagt Kranz. 

Viele Lehrgänge, wenige Renneinsätze

Im Frühling 2016 schlossen der Bobverband Liechtenstein und der Bob- und Schlittenverband Deutschland (BSD) einen zweijährigen Kooperationsvertrag ab, seither werden Ausbildung und Training gemeinsam absolviert. Die Liechtensteiner sind dabei ins grosse BSD-Team integriert. Das bringt Vorteile: «Sechs bis acht Betreuer entlang der Bahn sehen mehr als einer oder zwei», sagt Srecko Kranz. Ausserdem beginnt die Saison im Eiskanal für die Liechtensteiner und bereits früh im Herbst. Vergangene Woche (16. bis 22. Oktober) absolvierten Simon Hasler und Martin Kranz auf der Bahn von Winterberg den ersten Teil der Pilotenausbildung. Teil zwei folgt vom 16. bis 19. November in Königssee.

Das aktuelle Zweierbob-Gespann wird in dieser Saison vorwiegend Trainingsläufe absolvieren. «Simon Hasler kommt aus der Leichtathletik, bringt eine gute Athletik mit und trainiert seit März mit dem Bob-Team. Für ihn und Anschieber Sebastien Kranz geht es diese Saison vorwiegend darum, Erfahrungen im Eiskanal und an den Steuerseilen zu sammeln», erklärt der Sportchef. Ein Einsatz des Liechtensteiner Zweierbobs im Europacup ist in der Saison 2017/18 nicht vorgesehen. «Wenn es wie erhofft gut läuft, werden die beiden aber einige regionale Rennen fahren», so der Bobverbands-Sportchef.

Auch für die Mitglieder des Jugendkaders geht es in der gerade beginnenden Bobsaison in erster Linie um die Ausbildung an den Steuerseilen des Monobobs und das Sammeln von Erfahrungen im Eiskanal. Simone Zanghellini, Katharina Eigenmann, Martin Kranz und Quentin Sanzo werden dafür an den DBV-Jugendlehrgängen 2017/18 in Altenberg (7. bis 10. Dezember), Oberhof (17. bis 20. Januar) und Königssee (3. bis 6. Februar und 8. bis 11. März) teilnehmen.

«Wir sind uns bewusst, dass die Saison 2017/18 eine reine Aufbausaison ist. Auch im Bobosport zahlt sich eine solide Ausbildung langfristig aus», sagt Iwan J. Ackermann, Präsident von Bob Liechtenstein. Er plant mit Weitblick: «Unser Ziel ist es, die Mitglieder des Jugendkaders in zwei Jahren zu den Olympischen Jugendspielen entsenden zu können. Mit Simon Hasler und Sebastien Kranz arbeiten wir auf eine Qualifikation für die Olympischen Winterspiele 2022 in Peking hin.» Der nächste grosse Schritt in Richtung Olympia soll in der Saison 2018/19 mit einer erfolgreichen Teilnahme an Europacup-Rennen gemacht werden.

Schüler sollen Bobluft schnuppern

Liechtenstein hat zwar eine lange Bob-Tradition, aber keine Bahn in unmittelbarer Nähe, deshalb ist dieser Sport in der breiten Bevölkerung nur mässig präsent. Viel zu wenig, findet der Bobverbands-Präsident. Ackermann will dies ändern, indem er den Bobsport in die Schulen bringt, respektive Schulklassen nach Schaan einlädt: «Auf unserer Anschubbahn können wir einen realistischen Eindruck von der Athletik dieses Sports vermitteln.» Ein erster Kontakt mit dem Schulamt sei positiv verlaufen, weitere Schritte werden folgen.

Das Kader 2017/18: Simon Hasler (Zweierbob, Pilot), Sebastien Kranz (Zweierbob, Anschieber), Martin Kranz (Monobob, Jugendkader), Quentin Sanzo (Monobob, Jugendkader), Simone Zanghellini (Monobob, Jugendkader), Katharina Eigenmann (Monobob, Jugendkader)