02.03.2015

SSV Schoren holte
sich die "Belohnung" ab

Anna Moosbrugger

Der SSV Dornbirn Schoren gewinnt beim Ländle-Rivalen HC Feldkirch und belohnt sich mit dem Einzug ins ÖHB-Cup-Finale für eine bereits jetzt erfolgreiche Saison.

Im „Spiel des Jahres“ ging es für beide Clubs um den größten Erfolg der jüngsten Vereinsgeschichte. Entsprechend hoch waren die Erwartungen der ca. 500 anwesenden Schlachtenbummler in der rappelvollen Reichenfeldhalle. Schoren ging, trotz Abwesenheit dreier wichtiger Spieler, als hauchdünner Favorit ins Rennen, schließlich hatte man seit Oktober 2009 in der Montfortstadt nicht mehr verloren. Blau-Weiß musste Legionärin Vijunaite ersetzen, die derzeit eine Disziplinarsperre absitzen muss. Nichtsdestotrotz gingen beide Team hoch motiviert und mit voll besetzten Bänken ins Rennen.

Beide Mannschaften waren sich bestens bekannt, entsprechend ausgeglichen gestaltete sich die Anfangsphase des Spiels. Die bekannten Trümpfe stachen beiderseits vom Start weg und sorgten für erste Torerfolge. Feldkirch durch Seipelt und Strmsek per Fernwurf, Schoren über Spielmacherin Johanna Rauch und Kreisläuferin Julia Feierle nach Durchbrüchen/ Kreisanspielen. In der fünften Minute hatten man auf beiden Seiten je dreimal getroffen (3:3). Danach gelang es Blau-Weiß, das Spiel an sich zu reißen. Abstimmungsprobleme in der SSV-Hintermannschaft nutzen Schneider&Co. für vier aufeinanderfolgende Treffer (7:3). Auszeit Schoren! Eine Minute Zeit für Karsten Knöfler, seine Damen neu einzustellen. Mit Erfolg, denn die nächsten Minuten gehörten dem SSV. Beate Kuhn und Julia Feierle stellten den Anschluss zum 7:5 her. In der Dornbirner Defensive wurde nun besser kommuniziert, die Feldkircher Schützinnen früh und unermüdlich durch Bozkurt und Feierle gestört. Ungenaue Abschlüsse waren die Folge und sichere Beute von Bettina Thöni, welche umgehend Fabienne Tomasini für einen Doppelschlag per Konter bediente. Anna Moosbrugger sorgte in der 19. Minute für den erneuten Ausgleich. Das Spiel war wieder offen. Die Messestädterinnen hatten nun ihre spielerisch beste Phase. Offensiv war man in der Lage durch schnell und präzise vorgetragene Angriffe, die Abwehr auseinander zu spielen (Kuhn, Feierle, Moosbrugger) oder per Gegenstoß zu punkten. Defensiv befand man sich stets auf Ballhöhe, half zeitig aus und ließ insgesamt wenig anbrennen. Überragend hierbei das intelligente und kompromisslose Spiel der erst 17-Jährigen Nina Gussnig, die im Zentrum kaum zu überwinden war und mit Kapitänin Kuhn einen hervorragenden Innenblock bildete. Die Gunst der Stunde nutzend, zog Schoren bis zur Halbzeit weiter bis auf 11:14 davon und konnte frohen Mutes in die Pause gehen.

Im zweiten Durchgang konnten die Gäste den knappen Vorsprung zunächst verteidigen (13:16) und in der  41. Minute durch einen Tomasini-Treffer gar auf 14:18 erhöhen. Durch eigene Unzulänglichkeiten im Abschluss machte man die Gastgeber allerdings wieder stark. Eine fast 9-minütige Torflaute, während der mehrere gute Einschussmöglichkeiten an Blau-Weiß Torfrau Matyas scheiterten, nutzten die Einheimischen zum 17:18-Anschluss und später gar zum 19:19-Ausgleich (51. Min.). Wieder war das Spiel völlig offen, das Feld bestellt für eine spannende Schlussphase. Was nun an spielerischer Klasse fehlte, wurde durch Dramatik und Kampf wettgemacht. Nicht nur die Akteure auf dem Feld fighteten verbissen, auch beide Fanlager duellierten sich längst lautstark mit Anfeuerungen fürs eigene Team.

In dieser hitzigen Atmosphäre behielt Youngster Sarah Gurschler nun klaren Kopf und brachte ihr Team auf die Siegerstrasse. Gerade erst für Kuhn ins Spiel gekommen, traf sie einmal selbst und holte anschließend einen 7m-Wurf heraus, den Rauch souverän verwandelte. 19:21 SSV! Seipelt stellte im Gegenzug den Anschluss her. Im nächsten Angriff traf Moosbrugger aus spitzem Winkel mit einem sehenswerten Schuss ins Kreuzeck (20:22, 55. Min.). Noch immer kein Durchatmen im Schorenlager, denn nach einem Foul von Kuhn, wurde diese drei Minuten vor Schluss mit einer Zeitstrafe auf die Bank beordert. Den fälligen Strafwurf verwandelte Strmsek sicher. Wieder trennte beide Mannschaften nur ein Tor und einmal mehr war Verlass auf Fabi Tomasini. Mit einer gekonnten Täuschung entwischte sie ihrer Gegenspielerin und erzielte das wichtige Unterzahltor (21:23). Auf der Gegenseite parierte „Beatle“ Thöni Schneiders Hunderprozenter und als dann endlich Duygu Bozkurt, mit dem Frust vieler vergebener Gelegenheiten, ihren ersten Treffer zum 21:24 in die gegnerischen Maschen hämmerte, war das Match endgültig entschieden. Feldkirch gelang, wie schon beim letzten Derby im Dezember, in der letzten Spielminute nur noch Ergebniskorrektur.

Dornbirns junges Damenteam behielt einmal mehr in den entscheidenden Situationen die Nerven und zieht glücklich, aber nicht unverdient, ins Pokalfinale am 28.03. gegen Österreichs Übermannschaft Hypo Niederösterreich ein. Im Schoren-Lager hegt man nun die berechtigte  Hoffnung auf ein „Heimspiel“. Sollten die HLA-Herren von Handball Bregenz am kommenden Mittwoch ihre Viertelfinalpartie gegen Krems gewinnen, wird man sich um die Austragung des Final-Four-Turniers in Bregenz bewerben. Für beide Vorarlberger Vereine wäre diese Präsentation vor Heimpublikum und voller Halle natürlich eine zusätzliche Motivation.

ÖHB-Cup Halbfinale
HC BW Feldkirch – SSV Dornbirn Schoren (11:14) 23:24
SSV mit: Thöni (1-60.), Gerencir, Bischof, Wrießnegger, Rauch (5/2), Feierle (5), Kuhn (2), Bozkurt (1), Tomasini (7), Franz, Gurschler (1), Moosbrugger (3), Marksteiner, Gussnig