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30.05.2020

"Partnerschaft ist
keine Einbahnstraße"

Die Entscheidung, das Juniors-Team aufzulösen und eine strategische Partnerschaft mit dem FC Dornbirn einzugehen, kam am Mittwochabend für viele überraschend. SCRA-Sportdirektor Christan Möckel erklärt im Interview, wie es zu diesem Entschluss gekommen ist und wie die Zusammenarbeit mit dem FCD zukünftig aussehen wird.

1.) Die Juniors-Mannschaft des SCRA wird vom Spielbetrieb abgemeldet. Wie ist es zu dieser Entscheidung gekommen?

Als ich meinen Job beim SCR Altach im November angetreten habe, war es mir zunächst wichtig, über alle Bereiche einen Überblick zu bekommen und eine Bestandsaufnahme zu machen. Bei den Juniors war schnell klar, dass das in der momentanen Form keinen Sinn für den Verein und für die Entwicklung der Talente macht. Der Sprung zwischen Eliteliga und Bundesliga ist einfach zu groß, um konstant Spieler für oben zu entwickeln. Zusätzlich waren die Strukturen bislang nicht so, wie es zur Ausbildung zukünftiger Profi-Spieler nötig wäre. Wir haben deshalb gemeinsam den Entschluss getroffen, die Juniors professionalisieren zu wollen und dafür Budget freigemacht.

2.) Dazu kommt es jetzt nicht mehr! Warum?

Das ganze Projekt ist in den vergangenen Monaten intensiv geplant geworden. Gemeinsam mit Rudi Gussnig haben wir ein Konzept erarbeitet, wir hatten bereits den Kader geplant, Trainingsinhalte definiert und das Ganze auf die Beine gestellt. Dann kam leider das Corona Virus dazwischen und hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht. Die Neubewertung der wirtschaftlichen und sportlichen Lage hat ergeben, dass sich eine Professionalisierung in naher Zukunft nicht umsetzen lässt. Da die Juniors schon einen beträchtlichen Anteil im Budget einnehmen, haben wir dann gesagt, dass es keinen Sinn macht, ein Projekt weiterzuführen, von dessen Nutzen wir nicht überzeugt sind.

3.) Dafür wird nun eine strategische Partnerschaft mit dem FC Dornbirn eingegangen. Wie wird die Zusammenarbeit aussehen?

Mir ist es wichtig zu betonen, dass diese strategische Partnerschaft keine Einbahnstraße ist – beide Vereine sollen davon profitieren. Unsere Intention ist ganz klar, dass wir junge Talente, die noch nicht so weit sind, Bundesliga zu spielen, für einen bestimmten Zeitraum in Dornbirn platzieren. Das sollen aber Spieler sein, die dem FCD weiterhelfen – wenn dort ein Innenverteidiger gebraucht wird, werden wir keinen Stürmer schicken und sagen, der muss jetzt spielen. Das müssen auch nicht zwingend nur junge Talente sein. Spieler, die bei uns wenig zum Zug kommen, haben in Dornbirn die Möglichkeit, sich auf Zweitliga-Niveau in die Auslage zu stellen und gleichzeitig aber auch einen qualitativen Mehrwert für den Verein mitzubringen. Darüber hinaus wollen wir im Sinne der strategischen Partnerschaft auch einen intensiven inhaltlichen Austausch pflegen. Stichwort Trainingsinhalte, Ausbildung von Talenten, etc. – ich denke, da können beide Vereine voneinander profitieren.

4.) Warum ist die Wahl auf den FC Dornbirn gefallen?

Ich bin komplett unvoreingenommen nach Vorarlberg gekommen. Mir war es wichtig, auf alle Vereine zuzugehen und den Austausch zu suchen, um ein Gefühl zu bekommen. Beim FC Dornbirn war das mit den handelnden Personen von Beginn an die stimmigste Konstellation. Aber auch von der Ligazugehörigkeit und von den Ambitionen ist der FCD ein perfekter Partner.

5.) Wie sehr hat es trotzdem geschmerzt, sich von der Idee der Juniors-Professionalisierung verabschieden zu müssen?

Ich muss ganz ehrlich zugeben, dass das weh getan hat. Rudi Gussnig hat das schön gesagt: Vom Verstand her ist es zu hundert Prozent die richtige Entscheidung, im Herzen schmerzt es aber natürlich. Wir haben viel Zeit, viele Ideen und Kopfarbeit investiert, die jetzt zumindest vorerst in der Schublade verschwinden. Ich will aber nicht ausschließen, dass diese irgendwann wieder hervorgeholt werden.

6.) Momentan laufen noch die Gespräche mit einem Elite-Liga-Verein. Wie ist da der aktuelle Stand?

Wir haben in den letzten Tagen mit mehreren Vereinen gesprochen und dabei sehr positive Resonanz erhalten. Viele Vereine sehen in einer solchen Zusammenarbeit tolle Möglichkeiten, vor allem aber auch einen Mehrwert für sich selber. Wir werden uns jetzt ansehen, was die Vereine für Strukturen und Möglichkeiten haben, was auch deren Ziele sind. Es kann durchaus sein, dass wir sogar zwei Vereine als Partner dazu nehmen werden.

7.) Welche Rolle würden mögliche Partner in der Elite Liga einnehmen?

Hier geht es sehr stark darum, dass nicht alle Spieler, die aus der Akademie herauskommen, schon soweit sind, im Profifußball Fuß zu fassen. Der ein oder andere braucht noch ein halbes Jahr oder ein Jahr in der Eliteliga, bevor er den nächsten Schritt machen kann. Auch hier soll dann natürlich auch der Verein in der Eliteliga wieder profitieren, in dem er zumindest vorübergehend Spieler bekommt, die einen qualitativen Mehrwert mitbringen.  Für uns bringt es den Vorteil, dass wir nicht mehr eine ganze Mannschaft aufbauen müssen, um einzelne Spieler zu fördern, sondern gezielt Talente auswählen und diese in der Eliteliga weiterentwickeln können.

8.) Auf lange Sicht soll auch die Akademie eine noch größere Rolle in der Nachwuchsausbildung beim SCRA spielen. Gibt es hier schon konkrete Pläne, wann und wie das Ganze umgesetzt werden kann?

Es ist kein Geheimnis, dass wir konkrete Pläne haben, die Akademie auf lange Sicht bei uns zu integrieren. Wir sind da in einem guten Austausch mit den Verantwortlichen des VFV und der Politik. Die Gespräche sind durch das Corona Virus zuletzt zwar unterbrochen worden, werden aber sobald wie möglich wieder aufgenommen. Die bisherigen Rückmeldungen zeigen ganz klar, dass unser Ansinnen nicht komplett abwegig ist. Einen konkreten Zeitpunkt gibt es momentan noch nicht.