15.03.2017

Chabbi: „Ich werde
als Trainer alles geben“

Lassaad Chabbi ist seit Anfang März neuer Cheftrainer der SV Guntamatic Ried. Im Interview spricht der 55-Jährige, der in Ried einen Vertrag bis 31. Mai 2019 unterschrieben hat, unter anderem über den Verein, über die Zusammenarbeit mit seinem Team, über die sportliche Situation und über sein Privatleben.

Lassaad, du bist seit zwei Wochen in Ried. Wie ist dein erster Eindruck von der SV Guntamatic Ried?

Es ist ein sehr positiver Eindruck. Der Verein hat eine hervorragende Infrastruktur. Viele Vereine beneiden die SV Ried darum. Das neue Trainingszentrum ist großartig. Es fehlen uns zurzeit nur die Ergebnisse und Punkte.

Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit Manager Fränky Schiemer und deinem Trainerteam?

Wir arbeiten sehr gut zusammen. Wir treffen uns jeden Morgen um 8.30 Uhr im Trainingszentrum und besprechen alles. Jeder weiß genau über seine Aufgaben Bescheid, wir harmonieren sehr gut miteinander. Ich tausche mich auch mit Manager Fränky Schiemer über alles aus. Er ist Sportdirektor, fünf Mal Meister geworden und hat vom Fußball sehr viel Ahnung. Dass man da über alles miteinander spricht, ist ganz normal, sehr wichtig und auch überall so. Eines möchte ich aber ganz klar betonen: Über meine Aufgaben und wer letztendlich am Platz aufläuft, entscheide alleine ich. Da mischt sich Fränky Schiemer überhaupt nicht ein.

Wie beurteilst du nach den ersten beiden Wochen die Mannschaft?

Ich bin sehr positiv überrascht. Die Mannschaft hat Qualität. Sie hat gegen die Austria in der Offensive sehr gut gespielt, in der Defensive haben wir leider zu viele Fehler gemacht. Gegen St. Pölten waren wir die bessere Mannschaft, hätten in der ersten Halbzeit 2:0 führen können. Ich bin überzeugt, dass wir von Tag zu Tag besser werden. Wir trainieren gut, mit höchster Intensität. Es ziehen im Training alle mit. Das zeigt von Charakter, das verlange ich aber auch von den Spielern.

Die sportliche Situation ist momentan nicht einfach?

Ich bin überzeugt, dass die SV Guntamatic Ried in die Bundesliga gehört. Wir haben noch elf Spiele, es werden noch 33 Punkte vergeben. Es ist wichtig, dass wir so schnell es geht Punkte holen. Wir müssen Ordnung am Platz haben, 90 Minuten in der Defensive gut stehen und zu Null spielen. Wir müssen Woche für Woche punkten.

Du hast mit Dieter Alge einen neuen Co-Trainer an deiner Seite?

Dieter hat selbst als Profi beim LASK und St. Gallen gespielt. Seit 1992 hat er die A-Lizenz, er hat auch in der Akademie gearbeitet. Das ist wichtig, dass er sowohl mit jüngeren als auch älteren Spielern schon gearbeitet hat. Er ist meine rechte Hand, ich vertraue ihm zu 100 Prozent. Zusammen mit Tormanntrainer Hubert Auer sind wir ein super Team, wir haben einen sehr guten Betreuerstab. Zusammen können wir es schaffen, dass wir die Saison positiv beenden. Ich werde als Trainer alles geben, damit wir bald auf einem besseren Tabellenplatz stehen.

Wie beurteilst du die Bundesliga?

Es ist eine wunderbare Liga, in der jeder jeden schlagen kann. Einzig Salzburg hebt sich etwas ab, ansonsten ist alles sehr ausgeglichen. Wenn wir gegen die Austria die Chancen verwerten, gewinnen wir das Spiel, auch gegen St. Pölten waren wir besser. Wichtig ist, dass man sich auf jedes Spiel gewissenhaft vorbereitet. Wenn wir uns nicht gut auf den Gegner vorbereiten, nicht gut trainieren, kann man auch nicht gewinnen.

Hattest du schon Zeit, die Stadt Ried kennenzulernen?

Ich hatte bis jetzt keine Zeit, ich arbeite 24 Stunden für diesen Job. Ich hoffe, ich habe bald die Gelegenheit, durch Ried zu spazieren. Dass möchte ich dann machen, wenn wir auf einem besseren Tabellenplatz sind. Solange der Tabellenplatz nicht stimmt, werde ich auch meine Frau nicht nach Ried einladen. Zuerst muss ich meinen Job gut machen.

Was verlangst du von deinen Spielern?

Ich verlange von den Spielern, dass sie im Training immer 100 Prozent geben. Wir haben den schönsten Job der Welt. Manche verdienen in einem Monat, wofür man in anderen Berufen um einiges länger arbeiten muss. Ich mag es deshalb überhaupt nicht, wenn ein Spieler am Ende des Monats sein Geld haben will, dafür aber keine Leistung bringt und am Platz nicht wirklich alles gibt. Ich bin keinem Spieler neidisch für sein Geld, aber sie müssen Woche für Woche alles geben, damit unsere Fans zufrieden sind. Ich verlange, dass sie das Training auf höchstem Niveau und mit größtmöglichen Tempo machen. Das ist entscheidend dafür, wie du dann am Wochenende spielst.

Stellst du dich privat kurz vor?

Ich bin 55 Jahre alt, verheiratet und Vater von zwei Söhnen, Seifedin und Nino. Seit dem ersten Tag, als ich nach Österreich gekommen bin, habe ich jeden Tag gearbeitet. Seit ich zehn Jahre alt bin, gibt es keinen einzigen Tag, an dem ich nicht am Fußballplatz war. Meine Hobbys sind die Familie und Fußball, ich habe keine anderen Hobbys. Wenn du alles für den Fußball gibst, bekommst du viel zurück. Ich habe schon in der 7. Liga trainiert, immer hart gearbeitet. Das verlange ich auch von den Spielern. Ich werde auch hier in Ried alles geben, weil ich will, dass die Menschen in zehn Jahren hier in Ried keine negative Erinnerung an mich haben.

Du stammst aus Tunesien. Wie bist du nach Österreich gekommen?

Ich bin 1985 als Fußballer nach Österreich gekommen, habe in der Regionalliga bei Bludenz gespielt. 1993 habe ich meine A-Lizenz gemacht. Wichtig war es, gleich die Sprache zu lernen. Ich habe in Salzburg drei Monate einen Deutsch-Kurs gemacht. Wenn du als Fremder in ein anderes Land kommst, musst du die Sprache sofort gut lernen. Dann kommst du auch mit anderen Menschen schnell in Kontakt.


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