28.02.2019

Unschuldsvermutung

Wenn ein Straftäter, wie der Messerstecher der BH Dornbirn – für ihn gilt die Unschuldsvermutung - festgenommen wird, darf sein Name in den Medien nicht genannt werden. Wenn ein Dopingsünder erwischt wird, ist sein Name nach kurzer Zeit öffentlich bekannt. Und wird in vielen Medien zum sofortigen Rufmord freigegeben. Dominik Baldauf und Max Hauke haben einen Fehler gemacht, der ihr weiteres Leben beeinflussen wird. Vermutlich negativ. Trotzdem hoffe ich – vor allem für die beiden und ihre Familien – dass die grausame Menschenjagd auf Baldauf und Hauke schnellst möglich wieder beendet wird. Auch und vor allem im Sinne ihrer Zukunft. Mit 26 Jahren haben beide ihr Leben noch vor sich. Und haben sich – trotz des Fehlers- eine nächste Chance verdient. Für ein normales Leben, in dem ihnen durch das Dopingvergehen vermutlich einige Wege versperrt bleiben werden.

In zwei Punkten sollten wir auch einmal ehrlich sein. Zum einen gibt es weit schwerere Vergehen als Doping, Straftäter anderer Art werden nie öffentlich an den Pranger gestellt. Zum anderen wird man den Eindruck nicht los, dass die Aktion vom Mittwoch wieder einmal gegen kleine „Fische“ losgegangen ist. Der ehemalige Kronesportchef Robert Sommer formuliert das treffend: „Das Doping-Fallbeil traf wieder einmal wahre Superstars: Die Kleinen werden gehängt, bei den Großen lässt man das Gold um den Hals baumeln!“ Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen.